3 Fragen aus dem Handwerk – Betriebsübergabe

Veröffentlicht am 15. March 2022

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Betriebsaufgabe bedeutet: Vermögen und Arbeitsplätze vernichten. Eine Betriebsübergabe wäre die bessere Alternative. Kennt ihr z.B. schon die Nachfolgeböse? Egal, ob ihr einen Betrieb übernehmen wollt oder abgeben möchtet: Dieses Interview gibt euch echte Insider Tipps von unserem Experten Georg Klasmann von der Handwerkskammer Berlin.

Was sind die häufigsten Gründe, weshalb ein Unternehmer seinen Betrieb aufgibt?

Der häufigste Grund für eine Betriebsaufgabe ist in erster Linie das Alter des Betriebsinhabers oder der Betriebsinhaberin. „Schöner wäre es natürlich eine Betriebsübergabe zu organisieren, weil die Aufgabe vernichtet Vermögen und Arbeitsplätze“, so Georg. Eine Betriebsübergabe ist nicht nur zum Vorteil des ehemaligen Betriebsinhabers, sondern bietet auch jungen Nachfolgern eine Chance, einen erfolgreichen Betrieb weiterzuführen. „Wir haben momentan eine Nachfolgeproblematik“, erklärt Georg. Und genau hier setzt die Handwerkskammer an: sie suchen Nachfolger für aufgebende Betriebe. In den nächsten Jahren stehen allein in Berlin 3000 Betriebe zur Nachfolge an. Die Handwerkskammer unterstützt bei dem Übergabeprozess den „Übergeber“, indem eine Betriebsbewertung angeboten wird. Das heißt, es wird ein marktüblicher und akzeptabler Kaufpreis anhand von bewährten Methoden im Handwerk ermittelt. Das führt oft zu Überraschungen, denn der übergebende Betriebsinhaber neigt dazu, seinen Betrieb etwas höher zu bewerten. Das hat folgenden Grund: „Der Inhaber lebt 30-40 Jahre von seinem Betrieb und er verkauft sein Lebenswerk und nicht ein betriebswirtschaftliches Unternehmen“, so Georg. Da kann es schon einmal emotional werden. An der Stelle korrigiert die Handwerkskammer dann häufig bei dem Kaufpreis, denn ein „Übernehmer“ muss nach dem Kauf davon leben können, den Kaufpreis finanzieren können und eventuell weitere Investitionen vornehmen können.

Wenn ich einen Betrieb übernehmen möchte, welche Hürden habe ich?

Das Wichtigste ist im ersten Schritt einen interessanten Betrieb zu finden. Auch hier unterstützen die Handwerkskammern bundesweit mit ihrer Nachfolgebörse.Hier können Betriebsinhaber ihre zu übergebenden Betriebe selbst einstellen, um von Interessenten gesehen zu werden. Anschließend stellen die Handwerkskammern den Kontakt zwischen beiden Parteien her. 

Wenn der Betrieb für den Nachfolger interessant ist, müssen ein paar Dinge geklärt werden: Ist der Kaufpreis für den Nachfolger finanzierbar? Findet der Nachfolger eine Bank für die Finanzierung? Ist das Unternehmen rentabel genug, um den Kaufpreis zu rechtfertigen? Liegen die fachlichen und kaufmännischen Erfahrungen vor, um diesen Betrieb in Zukunft führen zu können?

„Ein Stichwort ist die Chemie“, sagt Georg. Der Nachfolger muss spüren, ob der Betrieb zu ihm passt. Da spielen auch die Mitarbeiter und das Team eine entscheidende Rolle. Es macht durchaus Sinn im Vorfeld im Betrieb für einige Wochen mitzuarbeiten, um den Betrieb und die Belegschaft kennenzulernen. Stimmt die Chemie? Kann ich die guten Mitarbeiter auch halten? „Aber auch gegenüber der Kundschaft muss die Chemie stimmen“ appelliert Georg. Ein alteingesessener Betrieb, der seit 30-40 Jahren besteht ist oftmals mit seinen Kunden alt geworden. Dabei ist es wichtig, dass ein junger Nachfolger mit den alt gewordenen Kunden zurechtkommt und beide eine Sprache sprichen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass ein Nachfolger vor der Übernahme im Betrieb mitarbeitet.

Worauf muss man bei der Betriebsübergabe achten?

„Ach, da gibt es einige Punkte, auf die man achten sollte und zwar: rechtzeitig drauf zu achten“, erklärt Georg. Ein wichtiger Punkt sei die eigne Altersversorgung, die nicht von heute auf morgen aufgebaut wird. Hier appelliert Georg sich frühzeitig um eine angemessene Versorgung im Alter zu kümmern, damit keine Versorgungslücke entsteht.

Ansonsten sollte auch hier rechtzeitig nach einem Nachfolger gesucht werden. Auch hier merkt Georg nochmal an, wie wichtig die „Probearbeit“ des Nachfolgers im übergebenden Betrieb ist.

„Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Steuervermeidung. Das ist ja ein Hobby von fast allen Unternehmern“, sagt Georg lächelnd. Wenn die „Steuervermeidung“ in einem Betrieb angestrebt wird, weist ein Betrieb weniger Gewinn aus. Weniger Gewinn bedeutet aber auch, dass ein Betrieb weniger attraktiv für potenzielle Nachfolger ist. Deswegen sollte man gerade in den letzten Jahren vor der Betriebsübergabe Gewinne ausweisen, da sonst der Wert des Betriebes sinkt. Hier sollte auf jeden Fall ein Steuerberater mit einbezogen werden.

Steuerliche und rechtliche Unklarheiten sollten weit im Vorfeld geklärt werden.

Wenn Pensionsrückstellungen in der Gesellschaft vorhanden sind, ist das oft ein großes Hemmnis für den Verkauf. Wenn die Räume des Betriebes gemietet sind, sollte man abklären, ob eine Weitervermietung an den Nachfolger möglich ist. Das kann dann problematisch werden, wenn der Vermieter beispielsweise die Miete erhöhen möchte. Es muss sichergestellt sein, dass der Nachmieter eine feste Mietlaufzeit hat, da eine Betriebsübernahme sonst häufig keinen Sinn macht.

An letzter Stelle gibt Georg allen Betriebsinhabern noch einen Tipp: „Für den Unternehmer ist der Betrieb auch gleichzeitig ein Hobby. Das heißt, wenn das Hobby wegfällt, also der Betrieb wegfällt, was mache ich dann mit meiner Zeit? Ein Unternehmer sollte sich also anschließend gut überlegen, was mache ich dann mit meiner Zeit?“. Der Ausgleich ist ein wichtiger Faktor für den Unternehmer, da sonst die Gefahr besteht, dass er nicht loslassen kann. Und dann wird eine Betriebsübergabe immer weiter hinausgezögert.

Georg empfiehlt sich wirklich 5-6 Jahre vor der Betriebsübergabe mit dem Thema zu beschäftigen und einige Dinge zu regeln.

Wow, vielen Dank Georg für die ganzen Tipps. Wenn Sie über eine Betriebsübergabe nachdenken oder einen Betrieb übernehmen möchten, dann wenden Sie sich gerne an Ihre Handwerkskammer vor Ort!

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