3 Fragen aus dem Handwerk — Nachhaltigkeit im Handwerk

Wussten Sie, dass Sie bereits nachhaltig arbeiten, wenn Sie Lehrlinge einstellen? Welche Faktoren noch dazu gehören und wieso sich Nachhaltigkeit im Betrieb für Sie richtig lohnen kann, haben wir Frau Dr. Christine Avenarius von der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk e. V. gefragt. Erfahrt in diesem Interview alles rund um das Thema „Nachhaltigkeit im Handwerk!

Veröffentlicht am 01. April 2022


Wie passen Handwerk und Nachhaltigkeit zusammen?

„Viele Handwerksbetriebe sind ja bereits nachhaltig“, stellt Christine direkt zu Beginn klar. Handwerker bauen Dinge, die lange halten oder reparieren, bevor sie etwas wegschmeißen, sie achten auf den Verbrauch von Ressourcen und nutzen Arbeitsmittel, mit denen sie hohe Qualität anbieten können. Das stellt ganz klar nachhaltiges Handeln dar. Darüber hinaus gibt es aber noch weitere Bereiche. Viele Betriebe achten sehr auf ihre Mitarbeitenden, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, auf Gesundheitsschutz und Arbeitsschutz. Einige Betriebe stellen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Migrationshintergrund ein oder achten auf Inklusion. „Und sie bilden aus. Das ist gelebte Nachhaltigkeit“, so Christine. Es gibt auch viele Handwerker, die sich in Vereinen engagieren oder im Prüfungsausschuss in der regionalen Handwerkskammer sitzen. „Das alles gehört zur Nachhaltigkeit, aber das ist vielen Betriebsinhabern gar nicht bewusst und den Kunden auch nicht. Aber dafür ist unser Projekt da!“, fasst Christine zusammen. War euch das bewusst?

Was habe ich als Betrieb davon nachhaltig zu wirtschaften?

„Nachhaltige Betriebe sind attraktiver für Fachkräfte, für Auszubildende und auch für ihre Auftraggebenden“, erklärt Christine. Vielen Fachkräften ist es wichtig, dass sich der Betrieb um das Gemeinwohl und um die Gesundheit kümmert. Außerdem ist ein Betrieb gerade für Auszubildende interessant, wenn er nachhaltig aufgestellt ist. Handwerksbetriebe, die ihre Nachhaltigkeit zeigen, haben einen Wettbewerbsvorteil. Denn die großen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden und mehr und auch die öffentliche Hand sind mittlerweile dazu verpflichtet, Nachhaltigkeitsberichte zu schreiben, sodass sie für das Thema sensibilisiert sind. Aber auch Kunden sind eher dazu bereit Produkte zu wählen, die lange halten, auch wenn sie dafür mehr Geld in die Hand nehmen müssen. Der Trend vom Wegwerfprodukt nimmt definitiv ab. Viele Kunden fragen nach schadstoffarmen Produkten. Hier lassen sich demnach viele wirtschaftliche Vorteile aufzeigen. „Nachhaltigkeit bedeutet nicht immer wachsen um jeden Preis. Manchmal kann es auch interessant sein, die Qualität auszubauen und das machen ja auch schon viele Handwerksbetriebe! Und das lohnt sich – auch wirtschaftlich!“

Was gibt es denn für Möglichkeiten, Nachhaltigkeit in den Betrieben zu integrieren?

„Wir als ZWH empfehlen entweder bei der Förderung von Mitarbeitenden anzusetzen oder bei der Logistik und Entsorgung von Arbeitsmitteln“. Für Mitarbeitende empfiehlt sich z.B., dass der Betriebsinhaber die Mitarbeitenden bei deren Gesundheitszielen unterstützt oder sich um die Koordination der Arbeitszeiten kümmert. Und bei den Arbeitsmitteln kann sich ein Betrieb überlegen, ob es nicht Varianten gibt für die Dinge, die er bereits nutzt, die vielleicht schadstoffarmer sind. Oder ob man mit den Lieferanten in Kontakt treten kann um zu schauen, ob vielleicht weniger Verpackungsmaterial verwendet werden kann oder ob die Möglichkeit besteht, die Transportwege zu verringern, indem man Material nur regional einkauft. Grundsätzlich gilt, dass es gut ist, die Nachhaltigkeit zu zeigen und dafür hat das ZWH in einem Projekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, „Handwerk hoch N“ entwickelt. 

Mit dem Projekt soll die Nachhaltigkeit im Handwerk gestärkt werden. Hierbei wurde ein Nachhaltigkeitsnavigator entwickelt. Dieser Navigator ermöglicht anhand von Anleitungen und Textbausteinen, dass ein Betrieb die eigene Nachhaltigkeit sichtbar macht, eine Bestandsaufnahme macht und Ziele setzt. Das kann man nach den Anforderungen des deutschen Nachhaltigkeitskodex machen. Dafür hat das ZWH Texte vorgeschrieben, die ein Betrieb auswählen und zusammensetzen kann und daran erkennt der Betrieb, an welchen Stellen er bereits nachhaltig ist und welche Ziele er verfolgen möchte. Mit diesen Bausteinen kann ein Betrieb sogar einen Nachhaltigkeitsbericht nach dem deutschen Nachhaltigkeitskodex schreiben. „Für uns gilt, jeder kleine Beitrag zählt, jeder Schritt ist gut, auch wenn er noch so klein ist und wir empfehlen den Betriebsinhabern anzufangen und die eigene Nachhaltigkeit zu zeigen und das vor allen den Kunden und allen weiteren Geschäftspartnern“, beendet Christine das Interview.

Vielen Dank Christine für deine Aufklärung und eure wertvolle Arbeit.

Alle weiteren Informationen findet Ihr unter dem Link: https://nachhaltiges-handwerk.de/instrumente/navigator/

Kontakt